Die Schritte nach einem Schlaganfall umfassen unmittelbare Maßnahmen, medizinische Behandlung und langfristige Rehabilitation. Hier eine Übersicht:
1. Akute Phase (unmittelbar nach dem Schlaganfall)
- Notruf wählen (in Deutschland: 112): Zeit ist entscheidend, da die ersten Stunden („goldene Stunden“) die Prognose stark beeinflussen.
- Symptome beobachten: FAST-Test (Face: Gesichtslähmung; Arms: Armheben möglich?; Speech: Sprachprobleme; Time: Zeit für Notruf).
- Keine Eigenbehandlung: Keine Medikamente oder Essen/Trinken geben, da dies die Situation verschlimmern kann.
- Transport ins Krankenhaus: Idealerweise in eine Klinik mit Stroke Unit (spezialisierte Schlaganfallstation).
2. Medizinische Behandlung (im Krankenhaus)
- Diagnostik: Bildgebung (CT/MRT) zur Unterscheidung zwischen ischämischem oder hämorrhagischem Schlaganfall.
- Behandlung je nach Typ:
- Ischämischer Schlaganfall:
- Thrombolyse (innerhalb von 4,5 Stunden): Medikamente wie Alteplase lösen das Gerinnsel auf.
- Thrombektomie (bei großen Gefäßverschlüssen): Mechanische Entfernung des Gerinnsels per Katheter (oft bis 6-24 Stunden möglich).
- Hämorrhagischer Schlaganfall:
- Blutdrucksenkung, ggf. chirurgischer Eingriff, um die Blutung zu stoppen oder Druck im Gehirn zu reduzieren.
- Stabilisierung: Überwachung von Vitalfunktionen, Behandlung von Komplikationen (z. B. Hirnödem, Krampfanfälle).
3. Frühe Rehabilitation (Tage bis Wochen nach dem Schlaganfall)
- Stationäre Rehabilitation: Beginnt oft in der Stroke Unit oder Reha-Klinik. Ziel ist die Wiederherstellung von Funktionen.
- Physiotherapie: Förderung von Bewegungsfähigkeit und Muskelkraft, z. B. bei Lähmungen.
- Ergotherapie: Unterstützung bei Alltagsaktivitäten wie Essen, Anziehen.
- Logopädie: Behandlung von Sprach- oder Schluckstörungen.
- Psychologische Betreuung: Unterstützung bei emotionalen Folgen wie Depression oder Angst.
4. Langfristige Rehabilitation und Nachsorge (Monate bis Jahre)
- Ambulante Rehabilitation: Fortsetzung von Physio-, Ergo- und Logopädie, oft über Monate oder Jahre.
- Anpassung des Lebensstils:
- Kontrolle von Risikofaktoren (Bluthochdruck, Cholesterin, Diabetes).
- Gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung, Rauchstopp.
- Medikamentöse Therapie:
- Blutverdünner (z. B. ASS oder Antikoagulantien) zur Vorbeugung weiterer Gerinnsel.
- Blutdruck- oder cholesterinsenkende Medikamente.
- Soziale und berufliche Reintegration: Unterstützung durch Beratungsstellen, ggf. berufliche Umschulung.
- Regelmäßige Arztbesuche: Überwachung der Gesundheit und Anpassung der Therapie.
5. Prävention weiterer Schlaganfälle
- Risikofaktoren managen: Regelmäßige Kontrolle von Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin.
- Gesunder Lebensstil: Ausgewogene Ernährung (z. B. mediterrane Kost), Bewegung, Vermeidung von Alkohol und Nikotin.
- Aufklärung: Betroffene und Angehörige sollten Warnzeichen kennen, um schnell zu handeln.
Wichtige Hinweise:
- Individualität: Der Verlauf und die Rehabilitationsbedürfnisse hängen von der Schwere des Schlaganfalls und der betroffenen Gehirnregion ab.
- Geduld: Fortschritte können langsam sein, aber selbst Monate nach dem Schlaganfall sind Verbesserungen möglich.
- Angehörige einbinden: Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Unterstützung und Motivation.
Ein Schlaganfall erfordert eine schnelle Reaktion und eine langfristige, multidisziplinäre Betreuung, um die Lebensqualität zu maximieren.
Bei Fragen kannst Du gerne in unsere Selbsthilfegruppe kommen. Zu rechtlichen Themen kannst Du dich auch an einen Sozialverband wie dem VdK wenden, ein Verzeichnis zu Anlaufstellen für Schlaganfall-Patienten und Angehörige